25.11.2010

Die Mutter im Liedgut, Part 4

Über all dem thront, zumindest im deutschsprachigen Raum, der Klassiker schlechthin:
Heintje und seine Hymne an Mama. Herzerweichender Megahit aus den 1960er Jahren und auch heute noch bekannt, beliebt und nicht totzukriegen. Besonders für Heintje selbst – bürgerlicher Name Hendrik Nikolaas Theodoor Simons – eher Fluch als Segen. 
Niemals konnte der mittlerweile 50+Jährige diesen Schmachtfetzen und seinen Fluch abstreifen. Erfolgreicher wurde er mit seinen Nachfolgesingles auch nicht. Dann kam die Pubertät und von da an ging es bergab. Zu allem Überfluss muss der gute Mann, grau meliert und mit feistem Bauchansatz, bei jedem seiner Auftritte in Seniorenheimen oder den Potsdamer Bahnhofspassagen (ich hab’ es selbst gesehen, erschütternd!) seinen Evergreen anstimmen. „Mama, du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen ...“ 
Garantiert weint Heintje sich Nacht für Nacht in den Schlaf – denn wer will schon ewig das Mutterideal mit dem Blumenstrauß in der Hand sein? Gefangen in der Illusion seiner Fans auf immer der gute Bursche sein zu müssen, erzeugt diese Erkenntnis trotz der verdienten Millionen bestimmt den ein- oder anderen Frustschub.

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