14.01.2013

Oh What A World, pt 1

...
Als einer der Letzten begab ich mich an Bord der Boeing und verdammte schon jetzt den Online Check-in. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass dieses Flugzeug aus Dreier-Sitzreihen, rechts und links, bestand. Und da ich ungeduldig und wenig aufmerksam online eingecheckt hatte, erwartete mich, mit Blick auf meine Bordkarte, das ultimative Horrorszenario. Auf Sitzplatz 19e war mein Ticket ausgestellt. Als ich mich nun bis zurReihe 19 vorgekämpft hatte (und dabei mehrere Mitreisende forsch zur Seite schubste), erblickte ich mit leidgeplagter Miene das Schwabbelschwein. Ein 120 Kilo schwerer Koloss hatte es sich auf 19d bequem gemacht und sie zu seiner Sitzinsel ausgeweitet! Widerwillig rutschte ich an ihm vorbei und ließ mich auf meinem mittleren Sitzplatz nieder, während 19f noch unbesetzt und jungfräulich blieb. Ich hätte schreien können, wenn das Vieh neben mir nicht umgehend seine wabbeligen Arme gegen meinen Brustkorb gerammt hätte.
"Na dit tut ma leid, Kleener, ick wollt da nich anrempeln", grunzte mich das Schwein aufgeweckt an. Mit immenser Kraftanstrengung rang ich mir ein sehr schiefes Lächeln ab und starrte mit manischem Blick auf die Rückseite meines Vordersitzes. Muss ich etwa so sterben? Wenn diese gottverdammte Maschine nun abstürzt und uns alle in den Abgrund reißt, grabscht dann das Monster neben mir nach meiner Hand? Will er dann Trost und Zuspruch? Wird er weinen und sein Rotz mich noch vor dem fatalen Aufprall ertränkt haben? Ich betete umgehend für einen raschen Flammentod oder einen überambitionierten Terroristen mit einer Abneigung für übergewichtige Vielfresser. Soviel Boshaftigkeit konnte Gott doch nicht für mich vorgesehen haben.

Flying Prison ...
                                                                         

„Miss, hallo, Entschuldigen sie, könnte ich ... Huhu, Fräulein, einen Moment mal ... Eine Frage, ich – ja, ich würde gern ... na dann, ähem, wenn sie so freundlich wären mal ... verdammtes Miststück, bleib endlich stehen und hilf mir!"
Mein Hass auf Flugbegleiterinnen schraubte sich in ungeahnte Höhen. Diese aufgemotzten Lakaien des Satans können alles außer umsichtig sein. Schlecht angelernte Saftschubsen, die aufgrund hoher radioaktiver Bestrahlung um Millionen von Gehirnzellen gebrachte wurden. Nie agieren diese Weiber aufmerksam und kundenfreundlich. Rennen auf und ab als hätten sie etwas dringendes zu erledigen um mit angestrengter Miene debile Handlungen zu vollführen (Gepackfächer schließen?, Sitzplatzreihen anzeigen?, zum anschnallen animieren?). Die Damen hetzen dabei meist so schnell von vorne nach hinten, als gäbe es dort für den Nachweis von hohen Laufmeilen einen extra Gehaltsscheck. Für eine anständige Ausbildung hat es offenbar nicht gereicht, also muss jetzt das Bedürfnis nach Anerkennung von den zahlenden Fluggästen sadistisch eingefordert werden. Und Reisende in einem Flugzeug zu ignorieren, ist dann die höchste Form der Erniedrigung, dass wissen diese Alphadamen nur zu gut.
WIR SIND HIER ALLE GEFANGEN, AUCH DU DÄMLICHE MIEZE, VERGISS DAS  NICHT!
Mein Kopf pochte und für einen kurzen Moment konnte ich meinen Hass auf das Schwabbelschein in Richtung der Flugbegleiterin kanalisieren. Nach meinem 24 Versuch durch den beschissenen Signalruf, der über einem die Silhouette einer sympathischen! Stewardess anzeigt, Hilfe zu erhaschen, half nur eins: Ich quetschte mich unter Ekel, Krächzen und beträchtlicher Anstrengung an dem wuchtigen Vieh neben mir vorbei und verharrte auf dem Gang, bis die biestige, blaugekleidete Flugmaus an mir vorbeiwollte.
„Entschuldigen sie dass ich sie hier belästige, obwohl auch ich für diesen überfüllten Pauschalflug bezahlt habe, aber ich habe hier ein enormes Problem, welches sie doch hoffentlich lösen werden wenn sie an einer weiteren Beschäftigung bei dieser grottenschlechten Fluglinie interessiert sind,“ zwitscherte ich übertrieben lächelnd die Flugkuh an.
„Ja bitte, was kann ich denn für Sie tun," erwiderte diese in einem noch süffisanteren Ton, als ich es erwartet hatte.
„Ich will einen anderen Sitzplatz.“
„Warum wenn ich fragen darf,“ entgegnete sie freundlich aber sichtlich desinteressiert.
„Dürfen sie. Ich hatte beim Check-in nicht bedacht was mich hier erwarten könnte,“ bedeutete ich mit einem Seitenblick auf die Matschqualle.
"Und das hier ertrage ich nicht. Niemals!"
„Das tut mir sehr leid, aber wir sind komplett ausgebucht. Wir warten nur noch auf einen Fluggast und würden dann gerne starten, damit die anderen Passagiere ihren Urlaubsort erreichen können. Der Flug dauert auch nicht allzu lang, dass sollte zu schaffen sein. Ich werde mich aber umhören ob jemand bereit wäre mit ihnen in den Sitzplatz zu tauschen,“ erwiderte das Biest eiskalt und schlängelte sich frech an mir vorbei. Ich war erschrocken und ein wenig beeindruckt, mit welcher Entschiedenheit sie mir Hoffnung gab und gleichzeitig unmissverständlich klar machte, dass ich hier garnichts zu sagen hätte.
"Und ich würde sie bitten nicht im Gang stehen zu bleiben, da dies gegen die Bestimmungen verstößt. Die Anschnallzeichen sind bereits eingeschaltet. Also setzen sie sich – umgehend, bitte," trällerte sie mir zu, um sich bereits auf den immens wichtigen Weg ans andere Ende der Maschine aufzumachen.
Sie ließ mich einfach so stehen ohne auch nur einen Funken Einsicht zu zeigen.
Den Namen muss ich mir notieren um Beschwerde einzureichen, versuchte ich mich zu beruhigen.
... tbc

I'm Leaving On A Jet Plane ...
                                               


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