04.01.2013

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Es gibt Menschen die finden nichts schöner, als bei Sonnenstrahlen vor die Tür zu rennen, Kaffeehäuser zu besetzen um dann in schlecht zusammengewürfelten Outfits ihre hässlichen Sonnenbrillen (Ray-Ban! Oakley!Oliver Peoples!) zu präsentieren und andächtig in gruseligen Büchern (Spiegel-Bestseller & Frau im Spiegel - Empfehlungen!) zu versinken. 
Wie schnell oftmals die Seiten umgeblättert werden, verrät jedoch sehr schnell ihre Unfähigkeit, Kettensätze in Wort und Schrift zu verstehen.

Eine Vermutung liegt nah: Sie lesen nie wirklich was sie da in den Händen halten. Entweder verstehen sie den Inhalt nicht (was nicht so abwegig erscheint, wenn man genau darauf achtet, wie sie Sätze formulieren, so z.B. bei der Bestellung ihres Chai-Latte gerne Kai-Latte sagen) oder aber das Buch ist eben nur Requisite. Ein Buch nur als Accessoire zu missbrauchen ist sicher nicht zwingend anstößig. Lässig, kosmopolitisch und sexy ist es aber definitiv auch nicht. Doch genau diesen Eindruck versuchen jene Buchhalter hingebungsvoll zu vermitteln. Wahlweise kramen sie auch alte Magazine hervor, die noch mit D-Mark erworben wurden; das Bedürfnis aufzufallen trägt oft ein altes Blütengewand.

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Es gibt Klassiker unter den Durchblättermagazinen-wenn-man-nicht-lesen-kann-Printobjekten


 'Ich bin nicht allein, ich lese halt gern ein gutes Buch und das braucht Ruhe', 'Ja, ich habe Freunde, aber beim Lesen bin ich gern nur bei mir', 'Was soll ich sonst machen, mag mich ja keiner und daher versinke ich gern hinter den Seiten eines mir unverständlichen Buches um nicht den Blicken meiner Mitmenschen hilflos ausgeliefert zu sein, die mich auslachen, weil mich niemand gern hat,  blablabla.'  

Diese Unterart der Großstadtbewohner - der Laie weiß: auf dem Land trinkt niemand Latte in irgendeiner Darreichungsform, da gibt es eine Milch oder 'nen Korn und dann geht es wieder schnurstracks zur Arbeit aufs Feld oder die Scheune - tippen zur Abwechslung auch gern im Sekundentakt auf ihrem Smartphone herum, hektisch nach rechts und links schauend, scrollen aufgeregt hoch und runter, verdrehen die Augen genervt nur um wieder etwas zu tippen, busy busy eben. In Wahrheit wird nur die Startseite von BILD.de fortwährend neu aufgerufen und ein Buchstabensalat aus qwbdhjjhufcgfdxfddhcdghbvds aufs Display gehackt. Das macht aber noch niemanden zu einer einfältigen Person, aber unterhalten möchte sich, Hand aufs Herz, auch niemand mit jenen Einfaltspinseln. Das eigentliche Problem liegt im kaum verborgenen Detail: sie wirken angespannt, unstetig, verkrampft und spaßbefreit.
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Wer sich originell kleiden kann, dem empfehlen wir auf ein Buch zu verzichten.
Der Rest allerdings ... Oy vey, wo soll man nur beginnen?

Dabei ist nichts Falsches daran, in der Öffentlichkeit ein Buch zu lesen und dabei Freude zu haben. Nur was man liest ist hierbei entscheidend.
Bücher gibt es wie Sand am Meer. Schlechte sowieso. Und dürftig übersetzte Romane überschwemmen den Buchmarkt. Der Griff zum leicht verständlichen erscheint oftmals sinnvoller. Aber dann sieht man eben nur halb so joie de vivre und lässig urban bzw. nach Boho-Chic aus. 
Und wer optisch eh wenig zu bieten hat und bei der Kleiderwahl ein treffsicheres Gespür für Kreischfarben, Schlaghosen, aufgestellte Kragen und klobiges Schuhwerk vorweist, sollte immerhin bei den Accessoires ein wenig Originalität versprühen. 
Momma's Boy hilft da gern weiter.

Bücher mit Bildern. Immer gut, wenn man des Lesevergnügens überdrüssig wird.

Tierfabeln sind der Ausweg aus der Misere. 
Texte zum lesen aber mit Bildern aufgepeppt. Dabei jedoch kein schnödes Comic-Heftchen, sondern ein ansprechendes Hardcover.
Handliches Format natürlich vorausgesetzt und jede Geschichte nicht länger als vier Seiten. Kurz, knackig, unterhaltsam und lustig. 
Ja, lustig! 
Denn wenn schon draußen lesen, dann doch bitte dabei lachen. Wunderschön anzusehen wenn Menschen, versunken in ihr Buch, urplötzlich schmunzeln, schallend lachen, die Mundwinkel nach oben richten und der Körper ein wenig hin und her schwankt. Denn sie haben unvorbereitet Freude. Super. 
Das lenkt zudem auch von der unoriginellen Sonnenbrille ab und lässt die unvorteilhafte Kleidermixtur übersehen. Alternativ kann das auch in der U-Bahn umgesetzt werden - der Kreativität von der eigenen Unzulänglichkeit abzulenken sind wirklich keine Grenzen gesetzt. 
Zwischendurch sollte man das Cover aber gut sichtbar vor das eigene Gesicht halten - sonst sieht man nur debil gackernd aus und dann wären wir wieder beim Anfang.

'Squirrel seeks Chipmunk' von David Sedaris. Ein großartiger Autor, den man eh kennen sollte. Hier beglückt er mit fluchenden Enten, pathetischen Bären, verblendeten Mäusen und suizidalen Störchen. Sollte man kaufen. Und verschenken. 
Übrigens: Gibt es zwar auch auf deutsch, macht aber weniger Freude und sieht auch weniger chic und laidback aus. 
Also, Mut zum Buch in fremder Sprache.
Denn nur über die blöde Sonne will sich auch niemand unablässig freuen müssen. 

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