21.02.2013

Live It! Breath It! Der Alltag, das Leben und die Menschen sind eine Tortur. Singen hilft!

...Spoiler: Am Ende erwartet dich eine Belohnung in Form eines Glückssternenschauer ...

Es gibt Tage, an denen erwacht man und nichts funktioniert. Die Sonne scheint aufdringlich durch die mageren Vorhänge hindurch (Sonne/Licht/gute Laune = niemals gut!) oder aber der graue Himmel ist dermaßen verhangen, dass der Griff zur Rasierklinge seltsam verführerisch anmutet. Die Kaffeemaschine versagt bzw. hat sich entschlossen sämtliche Bitterstoffe freiszusetzen und eher als Laxativum, denn als Koffein-Kick zu agieren. Warmwasser weigert sich die Rohre zu durchfließen und macht aus dem Duschkick eine Suvival-Tortur.

Die Wahl eines Tagesoutfit gestaltet sich als Odyssee durch Unmengen untragbarer und erschreckend unorigineller Kleiderberge, welche heimlich der Glöööööckler Modepapst eingeschmuggelt haben muss. Die Augen sind zugequollen und das macht es alles nicht einfacher sich den eigenen Anblick schönzureden. Und nach einem letzten enttäuschten Blick auf das Nichts, welches einem im Spiegel gegenübersteht heißt es missmutig, hässlich und angepisst auf die Straße treten zu müssen. Vorbei an aufgeweckten Menschen die dämlich bedruckte Pappbecher vor sich hertragen, als ob sie beim Staffellauf der Bundesjugendspiele antreten würden. Der Weg Richtung U-Bahn ist gepflastert von noch mehr Menschen, die genauso beschissen aussehen. Realitätsverdrängung führt dazu, dass sie allerdings schon mit einer Bierflasche bewaffnet und meist  übelriechend sind. Einzig die kollektiv schlechte Laune verbindet uns und lässt immerhin familiäre Gefühle aufkeimen. 



Ein ganz normaler Wochentag offenbart das Leid der Menschheit in seiner widerlichsten Form; Ungeniert grinst uns das dröge Gemisch aus Langeweile, Enttäuschung und Monotonie entgegen. Schonungslos und ohne Erbarmen wird uns Tag für Tag vor Augen geführt, dass der Lebensalltag eine Abfolge routinierter Handlungen ist und Veränderung erst eintritt, wenn wir endlich tot umfallen dürfen oder zumindest einer Drogensucht freien Lauf lassen können.
Zugegeben, Alltagsleid in Deutschland ist kaum zu vergleichen mit dem der Dritte-Welt-Länder … aber an diesen bestimmten Tagen interessieren der Hunger, die Tränen, das unfassbare Gemetzel, Mord und Totschlag, wirtschaftliche Totalausfälle, Glaubenskriege, der Verfall ganzer Landstriche oder Unbarmherzigkeit - mit Verlaub - herzlich wenig! 
Da es irgendwem, irgendwo immer schlechter geht als mir (uns) muss Selbstmitleid gestattet sein. Niemand wird sich die Zeit nehmen mich zu bemitleiden, demnach sei es mir erlaubt dies einfach selbst zu leisten. Und weil es gerade so schön ist, ist es ebenfalls legitimiert, Alles und Jeden und insbesondere sich selbst zu verteufeln und griesgrämig in einer ruckelnden Bahn zu stehen! 

Obendrauf gesellt sich dann eine dusselige junge Mutter mit ihren drei Kindern, welche lautstark herumtollen. Dank der Ausdünstungen die sich in einer überfüllten Bahn zu jeder Jahreszeit entfalten (Regenschauer/Schneefall/Sommerhitze beschleunigen Transpiration unweigerlich), vermischt sich die Luft zu einem süßlich, stinkigen Brei aus billigem Discounter-Eau de Cologne from Cheapland designed for Assis of the world-Gestank. Die ungewaschenen Körper, Bierfahnen und feuchten Achselschweiß-Fahrgäste fügen sich diesem Schicksal stoisch. Da niemand zu Boden stürzen möchte, krallt sich jeder an den Haltegriffen fest und gibt den Blick und das Geruchsorgan auf jene triefend nassen Achseln frei. Das ist z.T. so schauerlich, dass es bei einigen durch die Thermounterwäsche und den dicken Anorak tropft. 

Wer also solch eine Tortur hinter sich hat und erschöpft an seinem Arbeitscubicle/in dem Meeting/bei der Telefonkonferenz/an der Ladentheke/auf dem Straßenstrich oder vor dem Arbeitsamt eintrifft, der hat bereits ein festgezurrtes Päckchen an Ballast geschultert, gestemmt, unter der Last gekrächzt und dem Schrecken ins Auge gestarrt. 

Ja, und dann ist der Tag eigentlich schon lange im Eimer und es wird Zeit ins Bett zurückzukehren. Geht aber nicht, ist ja noch zu früh. 

Wie uns die Werbung gelehrt hat, 
'Zeit für ein Frühstückchen'! 
 - Als ob Appetit und Heißhunger auf pappiges Nussgebäck, Konservierungsstoffe und eine Milchcreme die an ein Gemisch aus Tapetenkleister, Sperma und Badreiniger erinnert noch irgendetwas an diesem mistigen Tag retten könnten! -
Was zu diesem Werbevorschlag bereits erwähnte Dritte-Welt-Länder sagen würden?
HaselnussSchokoMilchWaffel gefällig … ? Dann klappt es bestimmt auch mit der Ernte/Ehre/Menschenrechten!“
Mommasboy rät daher zu absoluter Ignoranz und dem ultimativen feel-good Kick: laut singen! Das hilft immer. Auf der Toilette, unter der Dusche, vor dem Kleiderschrank, auf der Straße, in der Bahn, gerne auch im Supermarkt einfach angstfrei drauflos trällern. Dem Gegenüber an ratlosen und zumeist unattraktiven Menschen ungehemmt in das erschrockene Gesicht krächzen. Beherzt und ohne Rücksicht auf Verluste in gehörig schiefer Tonlage die Lieblingsmusik des Tages anstimmen. 
Sei es nun Schlager, Pop, Rock, Dubstep, Electro, Klassik, Punk oder ein Marschlied; Hauptsache es erhöht den Launefaktor. Vollkommen egal muss hierbei die Reaktion der Mitmenschen sein. Denn wer erst einmal ungeniert steppend und singend an der Ampel steht, den Kaffeebecher als Accessoire missbraucht oder die einfahrende Bahn mit schrillen Jazzhands begrüßt, der hat den Versuch unternommen, den Alltag minimal aufzuwerten. Das Leben ein bisschen schöner, bunter und freudiger zu gestalten. Die Welt ist grau genug und für bescheuert hält man all die anderen ja auch. Warum also nicht auch denen Anlass zur Entrüstung geben!?
Sei dein eigener Lucky Star

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen