04.02.2013

Yes U Can, Kapitel 4

Wir sind nie mit dem Auto verreist. Meine Eltern hatten anscheinend kein Interesse daran, die Bundesrepublik zu erkunden. Ich muss davon ausgehen, dass sowohl meine Mutter als auch mein Stiefvater schon vor meiner Geburt die deutschen Städte ausgiebig bereist hatten, sodass dies nun dem Nachwuchs nahe zu bringen überflüssig erschien. 
Auf der anderen Seite war eine Autoreise zu der damaligen Zeit immer mit dem aufwendigen Ausreiseprozedre der Insel Westberlin verbunden. Da hieß es erstmal den Osten durchqueren, ohne jegliche Möglichkeit rechts ranzufahren um im Wald den aufgestauten Frust rauszuschreien. Endlose lineare, betonierte Fahrbahnen lagen vor und hinter einem, bis man wieder auf erlaubtem Boden ein- und aussteigen durfte. 
Warum also mit einem missmutigen und nörgeligen Kleinkind auf dem Rücksitz ewig auf deutschen Autobahnen umherirren? 

Wozu die dröge deutsche Landschaft mit ihren Wiesen, Wäldern, Schlössern und Bergen abfahren, wenn während, vor und nach diesem Sightseeing und der Weiterfahrt im Auto eine unerträgliche Stille herrschen würde? 
Bis auf das quengelige Kleinkind war ja die Kommunikation zwischen den beiden Personen auf den Vordersitzen bereits erloschen, bevor sie überhaupt jemals richtig gezündet war. Monotone Stimmen verkündeten nur das allernötigste:
Essen? Ja. 
Wo? Irgendwo. 
Wann? Weiß nicht. 
Hast du das gesehen? Ja. 
Und? Was? 
Gefällt es dir? Ist das wichtig? 
Willst du nicht mit mir reden? Wozu?

Schweigen.

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