26.04.2013

Fear It! I am the King of good times.

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'Ich werde einfach Kaffe trinken', war meine lapidare Antwort. 
'Ja, allein, warum denn nicht?'
Was sollte diese Frage? Was geht es meine Putzfrau an, wo und wie ich die nächsten drei Stunden verbringen werde. Wenn sie meine Wohnung zu ihrer lausigen Arbeitszone macht bin ich wirklich nicht gewillt ihr dabei zuschauen zu müssen. Schließlich bezahle ich sie nicht, um sich mit mir auszutauschen und ganz sicher bin ich nicht daran interessiert, latent deprimierende  Geschichten aus ihrem drögen Leben zu erfahren. Mit Verlaub, aber was kann eine 46-jährige Frau denn spannendes berichten, die für einen Hungerlohn die Wohnung eines übellaunigen Fremden säubert und das, wohlgemerkt, nicht einmal annähernd gründlich? 
Zugegeben, meine Strategie der Entlohnung - die sich an einem bangladeschischen Tagessatz orientiert - wäre als Begründung für ihre widerwillige und uninspirierte Arbeitsmoral zu vermuten. Warum sollte sie sich auch mit voller Hingabe meinen Fußböden und Armaturen widmen? Aber warum sie es für unnötig erachtet, auch hin und wieder die Blumenvasen im Salon ein wenig zu verrücken, um den dahinter lebenden Hausstaub zu beseitigen, das grenzte schon an plumper Arbeitsverweigerung. Irgendwann hatte ich es aufgegeben mit ihr eine zähe Grundsatzdiskussion über den Sinn und Zweck von Arbeitgeber &-nehmer bzw. den sinnvollen Einsatz eines Wischlappen zu bestreiten! Es half alles nichts und so zog sie Woche um Woche tranig ihre Runden über das Parkett, penibel darauf bedacht dabei gerade mal die Mitte des Raumes zu reinigen. 
'Ecken kosten extra,' trällerte sie mir entgegen.
So richteten wir uns beide in unserer Ko-Abhängigkeit ein: für drei Stunden tat sie so als würde sie schwere Arbeit leisten, während ich in der vierten Stunde die Restarbeit erledigen würde.

Mäßig freudig empfing ich sie daher wöchentlich an der Tür, bedeutete ihr mit einer raschen Kopfbewegung ein Hallo und Auf Wiedersehen an und verließ meine Wohnung umgehend. Es wäre zwar unkomplizierter ihr einen Schlüssel auszuhändigen um nicht meine Tagesplanung auf ihre Arbeitszeit auszurichten, doch lebensmüde und doof bin ich nun wirklich nicht.
Menschen zu vertrauen, ihnen gar Wohnungsschlüssel auszuhändigen, ist nur was für Idioten. Ich befürchtete eines Tages in eine leergeräumte Wohnung zurückzukehren oder aber mitten in der Nacht in ihr wettergegerbtes Gesicht starren zu müssen, während sie bedrohlich mit einer Flasche Rohrreiniger und ihrer Großfamilie im Rücken ein Verbrechen begehen würde. Unausgeglichene und unterbezahlte Menschen empfinden schnell Hass, kanalisieren den dann meist ungerecht auf ihre Mitmenschen um mit ihrem Schlüsselduplikat Rache zu nehmen. 
Vorsicht und Misstrauen sind Tugenden welche ich über Jahre verfeinert habe. Allerdings muten diese mitunter paranoid an, sodass ich auf die vermeintlich normalsten Dinge panisch reagiere. Jeder Supermarktverkäuferin die mir einen angenehmen Tag wünscht, unterstelle ich das Verlangen mich in der Tiefgarage zu überfallen und sexuell zu drangsalieren. 
Jedem One-Night Stand bescheinige ich einen hohen Grad an psychopatischen Zügen und das führt unweigerlich zu der Furcht von ihnen zerstückelt und im Anschluss häppchenweise an ihr Haustier verfüttert zu werden. Flüchtiger Sex , da bin ich mir sicher, ist nur was für stark suizidale Menschen und demnach sind Monogamie-Verweigerer angehende Serienkiller.
Wem also der Sinn nach Thrill und Abenteuer steht und Vertrauen und Sorglosigkeit leicht von der Hand geht, dem empfehle ich die Anstellung einer unterbezahlten Putzkraft. Für Langeweile sorgt das nie und schärft nebenbei den Verstand, lässt Sprache zur Waffe werden und das global consciousness movement wird damit auch ein wenig unterstützt.
Win-Win!
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