02.05.2013

Fear It! Haven't We Met Before?

...
Ich verstehe mich als Geächteten. Außerhalb der gesellschaftlichen Norm um ein wenig Anerkennung ringend und - da bin ich mir sicher - dass ich nach all dem Leid einen gewissen Anspruch auf Respekt einfordern darf, erklärt sich von selbst. Ich bin nur Einer von Vielen und ein leidgeplagtes Leben kann bestimmt auch weitaus schlimmere Erlebnisse hervorbringen. In Entwicklungsländern haben sie ja ganz andere Probleme, schon klar. Aber das mindert mein persönliches Leid ja nicht. 
Und das fing schon früh an.
Meine mangelnde Identifikation mit einer Vaterfigur übertrug ich als kleines Kind auf den männlichen Leiter des nahen Supermarktfiliale und in der naiven Hoffnung von ihm Disziplin und Anstand gelehrt zu bekommen beging ich unzählige Ladendiebstähle. Diese stümperhaften ersten Schritte im kriminellen Milieu waren zwar eher als Kinderschabernack anzusehen, aber rückblickend glaube ich ein vorhersehbares Muster erkennen zu können. All diese Schandtaten, die etwas freimütige Ahnendichtung (ich glaube wirklich, dass ich als Säugling entführt wurde und so um meine Adelsherkunft betrogen wurde) und jahrelange, ungesunde Abhängigkeit von einem Elektrogerät  zeugen doch stark von dem Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung. Ich habe es mit Selbstreflexion, Verdrängung und Ignoranz weit gebracht, aber ich scheine nun endgültig in einer Sackgassse gefangen. Nach vorn gibt es keinen Spielraum und nach hinten erwartet mich der Fluch der Mafia. Immerhin bin ich als Drogenkurier zwischen Kolumbien und der deutschen Promi-Elite ein nicht unwichtiger Geselle gewesen - mir ist es schließlich zu verdanken, dass Preisverleihungen u.ä. so ungestüm und rauschhaft anmuten und Volksschauspielerinnen doch noch zu zweifelhaftem Youtube Ruhm aufsteigen. Ein waghalsiges Kapitel meiner Vergangenheit und mit Sicherheit für alle Beteiligten mehr als kompromittierend - das Internet vergisst halt niemals und öffentliche Beichten sind das must have unserer verdorbenen Generation.

Aber jetzt gibt es nur noch eine Möglichkeit meiner Seele Gehör zu verschaffen, koste es was es wolle. Ich muss mich einem Zuhörer offenbaren, einem Menschen anvertrauen und von ihm zwei, höchstens drei Ratschläge einholen. Das dabei nicht ständig alles auf die Wagschale gelegt werden muss, sollte ich  hier und da ein paar Daten durcheinander bringen, also bitte, das setze ich voraus. Und auch eine komplette Infragestellung meiner Person strebe ich nicht an. Eher ein frischer Blickwinkel, unbekümmerte Gespräche: eine passable Feinjustierung meiner Gefühlswelt wäre bestimmt schon ausreichend.

Mein Therapeut, Doktor Hortmann, hatte allerdings seine ganz eigene Herangehensweise und seine Ansichten zu diesem Thema missfielen mir gehörig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen