08.05.2013

Hear It! Dance to the beat of MY drum.

Kaufempfehlungen die von 'guten' Freunden ausgesprochen werden, sind ja immer eine eigentümliche Angelegenheit. Da wird mit Inbrunst und seriöser Ernsthaftigkeit ein Lied, ein Künstler, ein Film/Buch/Ausstellung o.ä. schmackhaft gemacht und noch während man interessiert lauscht, was denn nun so doll und toll an jenen Highlights sein soll, ertappt man sich dabei, diese Freundschaft ernsthaft in Frage zu stellen.
'Hast du XXX schon gehört? Großartig!'
'Also, der Streifen YYY mit ZZZ war ja sowas von lustig/spannend/aufregend/hintergründig/lehrreich, den musst du dir ansehen.'
'Die neue Platte von YXZ ist ja der Hammer. Grandios was da abgeht - da kann man echt nur tanzen und glücklich sein wenn man das hört.'

Ach, ja - und weil wir diesen 'Freunden' prinzipiell nichts Böses unterstellen wollen (sie sind ja immerhin 'gute Freunde' die immer noch von Platten/Alben reden, das ist nämlich ein wichtiges Kriterium in punkto credibility), lassen wir uns auf jene Empfehlung ein und hören mal eben rein in den Track, klicken den Link an, schauen den Film für teures Geld, begeben uns zu der hippen Galerie oder quälen uns durch dicke Schmachtfetzen. 
Das Ergebnis ist jedoch leider viel zu häufig ernüchternd, um nicht zu sagen erstaunlich trivial! Der fade Durchschnittsbrei den diese 'Bekannten' für Meisterwerke halten, entfaltet vor dem eigenen Auge nur Langeweile, Beliebigkeit und ist in seiner Stumpfsinnigkeit nicht mal als Witz einzustufen. 
Die vollmundig empfohlene, GRANDIOSE neue Offenbarung entpuppt sich als belangloser, schmieriger und stinkdröger Kommerzscheiß. 
Umgehend öffnet sich die Pforte zu einer Gedankenwelt, in der diese Freundschaft sofort beendet, die Telefonnummer gelöscht und ihre Namen aus dem Vokabular verbannt werden muss. Gütiger Gott im Himmel, was haben wir denn nur eingeworfen als wir glaubten DAS seien vernünftige, intellektuelle und anspruchsvolle Wesen? Warum hat man sich denn auf diese depperte Person eingelassen? Wie blöd und niveaulos sind die eigentlich? Oder anders gedacht: Wie blöd war ICH eigentlich?
Die Antwort ist dann auch wesentlich simpler und meist genauso banal wie das Gemüt dieser/unserer/deiner/meiner Freunde.
Meine Großmutter hat das sehr deutlich schon vor Jahren ihrem kleinen Enkel vermittelt:
Sag mir, wer deine Freunde sind und ich sag dir, wer du bist. 
bzw. für die schlicht gestrickten Gemüter lässt sich das dumpfer formulieren:
Du bist was du frisst!

Und weil Du und ich, liebste/r Leser/in, in meiner wirren Welt schon lang beste, quasi innige Freunde sind, will ich dir eine Kaufempfehlung vor die Füße werfen, vollmundig und mit bedeutungsschwerem Blick.
Little Boots, diese kleine britische Hupfdohle die 2008 zusammen mit einer ganzen Armee an Elektromädels ein neues popular electronic Zeitalter ausrufen wollte, von Kritikern hysterisch gefeiert und hochgejubelt wurde und dann doch ganz schnell wieder weg war, ist jetzt, TaDaahh, zurück und klingt nicht anders, aber doch besser, oberflächlich und doch ein wenig nach Geniestreich.
Mit ihrem zweiten Album, Nocturnes, macht sie einfach da weiter, wo sie aufgehört hat: auf dem Dancefloor berauscht sie mit schwachem Stimmchen und mutet trotzdem wie die Schulhofelfe an, die wir alle ein wenig creepy fanden aber insgeheim ihr bester Freund sein wollten. Angenehm entrückt zelebriert sie das Beständigste aller Mantren: only when I'm dancing can I feel this free für das Jahr 2013. 
Ob das jetzt grandioses Meister- oder beschissenes Machwerk ist, nun, unter Freunden muss und sollte man darüber doch wohl nicht streiten und sofort eine gute Freundschaft in Frage stellen. Grandios!

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