28.08.2013

Learn It! Wer will das schon hören?

Eigentlich wurde schon alles gesagt. Keine wirklichen Neuigkeiten lassen sich vortragen. Gedanken und Überlegungen, Thesen und Analysen, Reflexionen und Vorhersagen, Diskussionen und Ausführungen, Wissen und Trivia: alles bereits gehört, gesagt, gesehen. Der Lauf der Dinge, die Bewegung der Welt, die Grausamkeiten der Menschheit, die Unfassbarkeit des Seins, die Abgründe des Handelns: Ein Blick zurück reicht vollkommen aus, um den Blick nach vorn zu meiden.
Das Verlangen sich neu zu erfinden und mitteilen zu müssen: es ist unnötig geworden. Es würde durchaus genügen im Fundus der Vergangenheit zu kramen und einfach nur zu wiederholen. Es dabei besser machen, ja, das wäre schon sinnvoll. Umsetzbar? Das ist die andere Frage.
Und überhaupt: Die fortwährenden Bemühungen sich selbst erläutern zu müssen und das Geschehen im Kleinen und Großen zu verstehen sind doch letztlich nur bloße Füllmasse im Warteraum der Lebensspanne. Schaut nach Osten, schaut nach Westen, nach oben und nach unten - gelernt hat niemand aus dem, was einmal falsch lief. Schande und Leid und Kummer und Ärger und Zorn und Verderben - an dem Punkt standen wir doch bereits zuvor. Same old, Same old.
...
Ich sitze hier, kerzengerade aufgerichtet wie eine anmutige Katze und gucke aus dem Fenster. Beobachte diese zwei Frauen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit ziemlicher Sicherheit Mütter, denn die Kinderwagen vor ihren Bäuchen gehören unbestreitbar zu ihnen. Und über was reden sie wohl? 
Ihre Babys, die Männer, die Vorteile der Mutterschaft, die Nachteile der Mutterschaft, das wunderbare Wetter oder die tolle Wohngegend. Vielleicht auch über das gestrige, heutige oder morgige Abendessen. Die Weltnachrichten, bevorstehende Kriege, Hass und Rassismus der irgendwo gedeiht, Schmerzen im Bein, im Kopf, die Preise der Kartoffeln? 
Irgendwas bereden sie wohl - doch Bedeutung hat es für sie nicht wirklich. Was kümmern mich die Sorgen der Anderen wenn mein Alltag belastend genug ist!  Doch sie bereden - was auch immer -  äußerst lebhaft. 
Doch neu ist daran halt nichts, absolut nichts. Und dafür kann ja auch niemand was. Die armen, blöden Kühe da drüben auf der anderen Straßenseite mit ihren noch ärmeren Babys im Kinderwagen: wenn die wüssten was auf sie wartet!
...
Anstatt sich verzweifelt nach Einmaligkeit und Originalität abzustrampeln und Kritiker zu überzeugen und Menschen umzustimmen und Unrecht zu verdammen, nun, warum nicht einfach anerkennen, dass Nichts und Niemand das Rad neu erfinden wird. 
Höchstens abändern, verfeinern, anpassen können wir das Rad. 
Doch rollen - einfach nur vor und zurück - wird es dann immer noch. 
Manchmal klapprig, manchmal platt, selten geschmeidig. 
Somit haben wir am Ursprung nicht wirklich etwas verändert. Wozu auch? 
Einfach fortfahren, statt innezuhalten. 
Aber das, Hand aufs Herz, wäre ja auch schon eine Leistung. 
Und die Courage sollten wir doch besitzen - wir wissen wo es sonst enden wird.

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