11.10.2013

Be It! Das Dilemma der abfallenden Begeisterungskurve

Ich halte mich für einen äußerst reflektierten und lernfähigen Menschen.
Mit phänomenaler Energie ist es mir möglich, mich wie ein aufgeregter Welpe in Begeisterungszustände zu stürzen, mich darin zu suhlen und freudig erregt zu juchzen.
Genauso schnell ist es mir aber jedoch möglich, besagtes Interesse und die einhergehende Begeisterung blitzschnell wieder zu verlieren.
Beispiele finden sich in den unterschiedlichsten Lebenssituationen:
Bei einem neuen Job, der Planung einer bevorstehenden Reise, dem Bedürfnis eine strikte Ernährungsumstellung zu konzipieren (und hierbei wirklich wahllos die Idee eines vollwertigen Speiseplans ad absurdum zu führen), mich hemmungslos und mit gehöriger Hingabe zu verlieben oder experimentellen Geschlechtsverkehr in Angriff zu nehmen.
Verlassen kann ich mich in all diesen Momenten immer darauf, dass - sobald jenes anvisierte Verlangen und die Umsetzung in greifbare Nähe gerückt sind -  meine Energiekurve rasant schwindet. Ohne nennenswerten Grund verflüchtigt sich der Reiz des BesitzenErleben und Haben wollen. 
Wenn ich etwas will und es bekommen kann, weicht die notwendige Bereitschaft zur Erlangung der detailverliebten Aufrechnung sämtlicher Kosten/Nutzen-Faktoren. Und da hierbei Umsetzung in der Währung Eigenantrieb gemessen wird, gewinnt für gewöhnlich die Einsicht, dass der Aufwand sich nun wirklich nicht lohnen würde.
Aus diesem Teufelskreis auszubrechen ist mir natürlich ein sehnliches Bedürfnis. Nur wären wir da wieder bei der Überlegung: Kosten/Nutzen!
Ich könnte argumentieren, immer alles bekommen zu haben was ich wollte und daher Demut und Genuss niemals erlernt habe. 
Eine zugegeben logische, wenn auch äußerst einfache Erklärung. 
Ich könnte aber auch von dem unbändigen Trieb vorangepeitscht sein, mich nicht mit EinfachenGreifbaren und latent Öden Dingen zufrieden geben zu wollen, folgerichtig also immer nur Höhere und Besondere Ziele anzustreben. Wozu also erst mit Kleinigkeiten aufhalten?
Diese komplexe Erklärung klingt in meiner wunderbaren Welt schon wesentlich reizvoller. 
Ich könnte, und hierin wird wohl die Wahrheit liegen (wir haben ja gelernt; ich bin ein reflektierter und lernfähiger Mensch) schlicht unfähig sein, Spass, Freude und innere Ruhe erreichen zu können. Also erlange ich eh keine Befriedigung meiner Wünsche.
Verständlicherweise verharre ich somit in dem Bewusstsein, dass Zufriedenheit vergänglich ist und wozu erst anstrengen, wenn am Ende weiterhin ein schaler Geschmack von: 
'Wie, das war jetzt schon alles?' übrig bleibt.  
Mit dieser Erklärung lässt es sich vorzüglich weiterhin unzufrieden und mürrisch im Bett verweilen, um von hier aus das Leben und die Menschen aus tiefstem Herzen zu verabscheuen.

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