28.01.2014

Hear It! RetroSounds muss man mögen ...

Vocal House, Electro Pop, hochkomplizierte Avantgarde Spielereien, Deep House, Trip Hop, Spaßpop, urban vertrakte Synthesizerklänge: Es ist schon eine Krux was aktuelle Musikspielereien einem abverlangen. Hauptsache möglichst innovativ und somit am Computer nachbearbeitet soll Musik angeblich klingen, um heutzutage begeistern zu können. 
Herr im Himmel, selbst Gabbamucke wird noch immer gehört. Wobei ich gerade kürzlich erfahren habe, dass diese Musik seit den frühen Neunzigern nur unter Zuhilfenahme von starken chemischen Drogen zu ertragen ist. Wer hätte das gedacht? 
Selbst Anhänger dieser Musikrichtung würden sich also an einem regulären Mittwochabend nicht freiwillig und nüchtern mit dem Geknarze malträtieren lassen. Und beim Anblick der vernebelten Tanztruppe muss sich selbst so ein renitenter Technojünger übergeben oder wahlweise eben mehr einwerfen. Drogen können also auch gut sein ...

Zugegeben, auch hier wird immer wieder gern elektronisches Soundgedudel als Highlight hervorgehoben. Doch der Reiz von Musik liegt in der Bereitschaft abgetrampelte Pfade hin und wieder zu verlassen und sich auf Schleichwegen wohlzufühlen. Wie schön ist es daher sich gelegentlich an handgemachtem Gitarrenrock, gefälligen Radiopop-Perlen von damals oder R&B Singer-/Songwriter Melodien zu erfreuen. Zwischendurch einfach mal den Elektrokram beiseite schieben, verächtliche Blicke ignorieren und ungeniert nach vorn und hinten, rechts und links wippen zu dürfen. Frei von der Angst nicht stetig seinen hippen Musikgeschmack unter Beweis stellen zu müssen, kann ungenierter Musikgenuss eine Befreiung sein.

Großes versteckt sich oft hinter Gewöhnlichem.
Die Stimme von Betty Wright, geboren als Bessie Regina Norris, ist morgens um 8 Uhr - wenn der Mensch noch irritiert von der Welt und schlaftrunken ist - die ideale Musikbegleitung. Neben ihrem bekanntesten Hit, Clean Up Woman, gibt es außerdem eine ganze Reihe an Songs und Alben dieser großartigen Künstlerin zu entdecken. 
Eine Begeisterung für 70ies R&B muss man allerdings mitbringen. Da reicht es nicht mal eben verzückt den Jackie Brown Soundtrack als Beweis heranzuziehen, um seine Kenntnis in punkto black music anzupreisen. Jenes Jahrzehnt brachte neben der unausweichlichen Minnie Ripperton nämlich noch einen ganzen Schwung an bezaubernden female voices hervor. Und wem Karen Carpenter zu handzahm, Carole King zu spröde und Diana Ross zu überkandidelt sind, der, ja, der sollte sich besser an Betty Wright berauschen. 

Da angeblich nichts schöner sein soll als mit Freunden zu teilen, wird hier und heute also die Retroschublade geöffnet. Und Retro muss in Zukunft wieder mehr sein als schnödes, nostalgisches Geschunkel zu abgehalfterten Disco-Diven und ihren Stampfbeats.
Daher plädiert mommasboy dafür den Januar zum elektronisch befreiten Monat zu deklarieren. Jawohl, die kommenden 'Hear It! Retro!' Labels werden Musikkenner und Soundtüftler, die sich wie blöde auf Soundcloud tümmeln und liken, sharen & followen, zum Verzweifeln bringen. Aber die mögen sowieso immer alles selbst entdecken und würden Empfehlungen naserümpfend mit 'kenn ich schon laaaaannnngggeee' kommentieren.
Für den Rest von uns gilt es den Charme vergangener Glanzstücke zu entdecken und zu preisen. 
Wer das nicht mag … Suck it.

                      

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