03.01.2014

Learn It! Frühkindliche Prägung

Der Begriff der transgenerationalen Transmission lässt sich, zur Untermauerung folgender These, wunderbar zweckentfremden: 
Das Trauma das Elternpaare erleben, sagen wir mal im alltäglichen Ehekleinkrieg, wird bewusst - aber eben auch unbewusst - auf deren Kind übertragen und so Teil des eigenen (also des Kindes, sprich; Du) Handlungskonzepts. Und dusselig wie Kinder manchmal sind, glauben sie, Gesehenes selbst durchlitten zu haben und fügen daraus eine Reaktion und Umgangsweise mit artverwandten Impulsen. Wenn also ein Agressor (der neue Partner), der ja entweder Idealbild oder Feindbild darstellt in unser Leben tritt, aktivieren wir das Erlernte und alles geht wieder von vorne los. Die Folgegeneration kann nicht anders, als jene fremdbestimmte Verhaltensmuster zu imitieren oder - und auch das ist ja Imitation - panisch anders reagieren zu wollen. Denn Mama wollte bestimmt auch nicht so sein wie ihre verklemmte Mutter und die auch nicht wie die streitbare Großmutter und so weiter. Die eigene Geschichte wird somit vollkommen fremdgesteuert und keiner von uns kann etwas dagegen machen. Denn Schuld hat immer die Generation, die uns aufgezogen hat:  und die wiederum sucht Schuldzuweisungen bei der vorangegangenen Generation. Ein teuflischer Kreislauf der gerne als Entschuldigung für das eigene jämmerliche Fehlverhalten von zu vielen Menschen angewandt wird. 

Küchenpsychologie hilft hier weiter:
Das Konzept der Triade im familiären Konstrukt spricht von der Tatsache, dass wir im stetigen Austausch stehen; Vater, Mutter, Kind. Dadurch lernen und erarbeiten wir uns strukturelle Muster bzw. Verhaltenswege. Deren Einfluss auf unsere Entwicklung und Identität ist folglich nicht von der Hand zu weisen. Nun steht man als Kind aber oft an einer etwas unbequemen Stelle. Was im Austausch mit Vater okay ist, mag im Kontakt zur Mutter eher nicht funktionieren. Und umgekehrt. Wenn dann Vater und Mutter sich gegenüberstehen, ist deren Interaktion auch eine vollkommen andere als zwischen Kind und Elternteil. Wer das versteht ist klar im Vorteil. Da wir also zu Beginn unseres Lebens komplett unfähig und unselbstständig sind, neigen wir Menschen dazu unsere Eltern überlebensgroß und allmächtig zu stilisieren. Aus diesem Umstand heraus versagen somit auch viele Eltern und zweifeln (hoffentlich) ihre eigenen Fähigkeiten – durchaus berechtigt – an. Denn die gesellschaftlichen Anforderungen diktieren, dass sie einen unfähigen kleinen Menschen zu einem fähigen, wissenden, selbstständigen Wesen erziehen sollen. Dieser soll zusätzlich auch noch zwischen Gut und Böse unterscheiden können. Also auch im späteren Leben im Austausch mit seinen Artgenossen richtig und falsch optimal erkennen und dies adäquat einsetzen.
Nur was macht man, wenn man das selbst nicht so genau weiß oder nie erlernt hat? 
Versagen ist daher vorprogrammiert.
Der Mensch ist im Vergleich zu anderen Säugetieren ja auch erstaunlich hilflos, geradezu lebensunfähig. Diese anderen Säugetiere, die allesamt nicht unsere Sprache sprechen, können wenigstens direkt nach der Geburt aufstehen und laufen. Zusätzlich würden sie Himmel und Hölle in Bewegung setzen um nicht zu verhungern. Der Mensch hingegen ist eine Ausgeburt an vollokommener Unfähigkeit. Wenn man den einfach nach der Geburt in eine Ecke legt, kann man sich recht schnell ausmalen, wie lange dieser braucht um auf seinen zwei wackligen Beinchen stehend etwas Essbares zu finden.
Verhungern würden wir ohne fremde Hilfe. Und da geht das Problem schon los. Abhängigkeit von anderen wird unser lebenslanger Begleiter sein.
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